Rauchansaugsystem (RAS): Brandfrüherkennung mit Ansaugrauchmeldern

Ein Rauchansaugsystem (RAS) saugt über ein Rohrnetz ständig Luft aus dem überwachten Bereich an und prüft sie in einer zentralen Auswerteeinheit auf Rauchpartikel. So lassen sich Brände sehr früh erkennen – oft lange bevor ein punktförmiger Rauchmelder anspricht – und an Orten, an denen normale Melder schlecht funktionieren oder kaum zu warten sind.

So funktioniert ein Rauchansaugsystem

Ein Lüfter in der Auswerteeinheit zieht über ein Rohrnetz mit kleinen Ansaugöffnungen Luftproben aus dem Raum, aus dem Doppelboden oder direkt aus Schränken. Die Luft wird in einer hochempfindlichen Messkammer – meist mit Laser- oder LED-Streulichttechnik – auf Rauchpartikel untersucht. Das System überwacht dabei ständig den Luftstrom und meldet Verstopfungen oder Leitungsbrüche als Störung.

Weil die Auswerteeinheit an einem gut zugänglichen Ort sitzt, finden Wartung und Prüfung außerhalb des geschützten Bereichs statt – ein großer Vorteil bei Reinräumen, Aufzugsschächten, hohen Hallen oder Bereichen, die nicht ohne Weiteres betreten werden dürfen. Viele Geräte haben mehrere Alarmstufen: Ein Voralarm gibt Zeit, betroffene Geräte gezielt abzuschalten, bevor ein Hauptalarm oder eine Löschanlage auslöst.

Empfindlichkeitsklassen nach EN 54-20

Die Klasse gilt jeweils für die einzelne Ansaugöffnung. Sie hängt von der Empfindlichkeit der Auswerteeinheit und der Zahl der Ansaugöffnungen ab und sagt nichts über die Reichweite des Systems. Nach EN 54-20 darf die Transportzeit der Luft von der entferntesten Öffnung bis zum Melder höchstens 120 Sekunden betragen.

  • Klasse A: sehr hohe Empfindlichkeit – für Früherkennung in stark belüfteten Bereichen wie Rechenzentren und Reinräumen
  • Klasse B: erhöhte Empfindlichkeit
  • Klasse C: Empfindlichkeit vergleichbar mit punktförmigen Rauchmeldern – Standardüberwachung von Räumen

Planung: Rohrnetz und Rohrmaterial

In Deutschland werden die Ansaugöffnungen nach DIN VDE 0833-2 wie einzelne punktförmige Rauchmelder angeordnet; Planung, Errichtung und Instandhaltung erfolgen im Rahmen der Brandmeldeanlage nach DIN 14675. Das Rohrnetz wird mit der Berechnungssoftware des Herstellers ausgelegt, damit jede Ansaugöffnung die gleiche Luftmenge und Empfindlichkeit hat. Je nach Gerät sind mehrere Rohrstränge mit insgesamt bis zu mehreren hundert Metern möglich.

  • PVC: verbreitet und günstig, geklebte Verbindungen
  • ABS: halogenfrei – gefordert, wo im Brandfall keine korrosiven Gase entstehen dürfen, z. B. in IT- und TK-Bereichen; auch für tiefe Temperaturen geeignet
  • Edelstahl: für raue, hygienische oder besonders beanspruchte Umgebungen
  • Zubehör je nach Umgebung: Staubfilter, Kondensatabscheider, Ausblaseinrichtungen und Heizungen für Tiefkühlbereiche

Typische Einsatzbereiche

  • Rechenzentren, Server- und TK-Räume, Doppelböden und Zwischendecken
  • Schaltschränke und Leitwarten (Einrichtungsüberwachung)
  • Reinräume und stark klimatisierte Bereiche
  • Tiefkühl- und Hochregallager, hohe Hallen und Atrien
  • Aufzugsschächte, Kabelkanäle und schwer zugängliche Hohlräume
  • Archive, Museen und denkmalgeschützte Räume, in denen Melder unauffällig bleiben sollen
  • Batteriespeicher: einige Systeme sind zusätzlich für die Erkennung austretender Elektrolytgase geprüft

Systeme am Markt (Auswahl)

Viele Hersteller von Brandmeldeanlagen bieten Geräte dieser Hersteller auch unter eigenem Namen an. Wichtig für Sie: Das Rauchansaugsystem muss zur Brandmelderzentrale und zum Einsatzbereich passen, und der Errichter sollte mit dem jeweiligen System Erfahrung haben – die Hersteller schulen ihre Partner für Planung und Inbetriebnahme.

  • Securiton und Hekatron (gleiche Unternehmensgruppe): SecuriRAS/SecuriSmoke ASD 535 und ASD 532 sowie die neue ASD-2000-Familie (ASD 2001, ASD 2002, ASD 2004)
  • WAGNER: TITANUS (u. a. MICRO·SENS, PRO·SENS, SUPER·SENS, TOP·SENS)
  • Siemens: Ansaugrauchmelder FDA221 und FDA241 (Cerberus PRO)
  • Xtralis/Honeywell: VESDA und VESDA-E, außerdem FAAST
  • Kidde/AirSense: Stratos (u. a. Micra)

Häufige Fragen

Wann lohnt sich ein Rauchansaugsystem statt punktförmiger Rauchmelder?

Wenn sehr früh erkannt werden muss (z. B. Rechenzentrum), die Luft stark bewegt wird, Melder schlecht zugänglich sind (Doppelboden, Aufzugsschacht, hohe Decken) oder die Umgebung schwierig ist (Kälte, Staub). Für normale Büroräume reichen meist punktförmige Melder.

Darf jeder Errichter ein Rauchansaugsystem einbauen?

Ein RAS ist Teil der Brandmeldeanlage; Errichter mit Zertifizierung nach DIN 14675 dürfen es einbauen. Entscheidend für ein gutes Ergebnis ist die Erfahrung mit dem jeweiligen System – bei Planung, Rohrnetzberechnung und Inbetriebnahme. Wir vermitteln Errichter, die das System Ihrer Wahl kennen.

Kann ein Rauchansaugsystem eine Löschanlage auslösen?

Ja. Rauchansaugsysteme werden häufig zur Ansteuerung von Gaslöschanlagen genutzt, etwa im Rechenzentrum – dann in der Regel in Zweimeldungsabhängigkeit mit einem zweiten Melder. Der Voralarm gibt vorher Zeit zum Eingreifen.

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Quellen

Normen und Richtlinien sind kostenpflichtig; verlinkt ist jeweils die Bezugsquelle. Aktuelle Ausgaben und Fristen: Normen und Regeln.

Diese Seite gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Fachplanung. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Normen, Richtlinien und behördlichen Vorgaben. Fachlich geprüft von Thomas Wald, Stand 21.10.2026.