Inertgas-Löschanlage: Stickstoff, Argon und Gemische

Inertgase sind natürliche Bestandteile der Luft – vor allem Stickstoff und Argon. Als Löschmittel senken sie den Sauerstoffanteil im Raum so weit, dass das Feuer erstickt. Sie sind farblos, ungiftig, leiten keinen Strom und hinterlassen keine Rückstände.

So funktioniert eine Inertgas-Löschanlage

Das Gas lagert in Flaschen mit bis zu 300 bar. Nach Alarmierung und Vorwarnzeit wird der Raum geflutet; dabei wird etwa ein Drittel der Raumluft durch Inertgas ersetzt. Die meisten Brände erlöschen, wenn der Sauerstoffanteil unter rund 13,8 Vol.-% sinkt. Die Flutung ist auf eine Dauer von etwa 60 Sekunden ausgelegt.

Gebräuchlich sind reiner Stickstoff (IG-100), reines Argon (IG-01) sowie die Gemische IG-55 (Argon/Stickstoff) und IG-541 (Stickstoff, Argon und ein kleiner Anteil CO₂).

Vorteile

  • Rückstandsfrei – keine Reinigung von Technik, Akten oder Kunstwerken
  • Elektrisch nicht leitend, geeignet für laufende IT und Elektrik
  • Natürliche Gase ohne Treibhauswirkung – keine Einschränkungen durch F-Gase- oder PFAS-Regeln
  • Große Entfernung zwischen Flaschenlager und Schutzbereich möglich, preisgünstige Wiederbefüllung

Typische Einsatzbereiche

  • Rechenzentren, Server- und Telekommunikationsräume
  • Leitwarten, Betriebs- und Kontrollräume, Schaltanlagen
  • Archive, Bibliotheken und Museen
  • Lackier- und Pulverbeschichtungsanlagen, Gefahrstoff- und Wertlager

Personenschutz

Auch wenn Inertgase ungiftig sind: In der gefluteten Atmosphäre ist ein längerer Aufenthalt nicht zulässig (DGUV Information 205-026). Die Anlage warnt deshalb vor der Flutung, damit alle den Bereich verlassen; betreten wird der Raum erst wieder nach dem Lüften.

Worauf es bei der Planung ankommt

  • Planung und Einbau nach VdS 2380 bzw. der Normenreihe DIN EN 15004
  • Platz für die Flaschenbatterie – Inertgas braucht mehr Volumen als chemische Löschgase
  • Druckentlastungsklappen, damit Wände und Decken beim Fluten nicht beschädigt werden
  • Dichter Raum, damit die Löschkonzentration lange genug gehalten wird – nachweisbar mit dem Door-Fan-Test (VdS 3877)
  • Abschaltung von Strom und Lüftung; bei Bedarf Reserveflaschen für den Fall einer Rückzündung
  • Lithium-Ionen-Speicher: laut BVES-Leitfaden gut geeignet, wenn die Wirksamkeit von einer unabhängigen Prüfstelle nachgewiesen ist. Bei sehr früher Erkennung lässt sich der Schaden auf eine Zelle bzw. ein Modul begrenzen

Häufige Fragen

Kann man bei einer Inertgas-Flutung im Raum bleiben?

Nein. Auch wenn Inertgas nicht giftig ist, müssen Personen den Raum bei Alarm verlassen. Dafür sorgen Vorwarnung und Verzögerung.

Inertgas oder chemisches Löschgas?

Inertgas ist umweltneutral und langfristig unproblematisch, braucht aber mehr Platz für Flaschen. Chemische Löschgase kommen mit wenig Platz aus, unterliegen aber zunehmend Regulierung (F-Gase, PFAS). Die Entscheidung hängt vom Objekt ab.

Wie lange muss der Raum das Gas halten?

Die geforderte Haltezeit ergibt sich aus der Planung nach Regelwerk. Ob der Raum dicht genug ist, wird mit einem Door-Fan-Test gemessen – ohne Löschgas.

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Quellen

Normen und Richtlinien sind kostenpflichtig; verlinkt ist jeweils die Bezugsquelle. Aktuelle Ausgaben und Fristen: Normen und Regeln.

Diese Seite gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Fachplanung. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Normen, Richtlinien und behördlichen Vorgaben. Fachlich geprüft von Thomas Wald, Stand 20.10.2026.