Brandschutz für Recycling- und Entsorgungsbetriebe
Kaum eine Branche brennt so oft wie die Abfallwirtschaft. Falsch entsorgte Akkus, Funken aus Zerkleinerern und Selbstentzündung in gelagerten Stoffen sorgen regelmäßig für Großbrände – mit Betriebsstillstand, Umweltschäden und Ärger mit Behörden und Versicherern.
Typische Brandursachen
- Lithium-Ionen-Akkus und Batterien, die im Abfall landen und beim Zerkleinern oder Pressen beschädigt werden
- Funken und heiße Teile aus Schreddern, Mühlen und Förderbändern
- Selbstentzündung bei biologischen Prozessen wie Kompostierung oder in lange gelagerten Stoffen
- Große Mengen brennbarer Stoffe auf engem Raum: Kunststoffe, Papier, Holz, Ersatzbrennstoffe
Früherkennung
Je früher ein Glutnest entdeckt wird, desto kleiner bleibt der Schaden. Eingesetzt werden unter anderem:
- Wärmebild- bzw. Infrarotkameras über Bunkern, Lagerflächen und Förderbändern – sie erkennen Hitze, bevor Flammen entstehen
- Funkenerkennung in Förder- und Absauganlagen
- Rauchansaugsysteme und linienförmige Wärmemelder in Hallen und an Förderbändern
- Temperaturüberwachung in Lagern und Mieten
- Thermische Auslöseelemente (Übertemperaturschalter mit Thermoeinsatz), z. B. von ESTI wie SK 10 – für explosionsgefährdete Bereiche gibt es Ex-Ausführungen wie EX 03
Welche Löschtechnik kann man einsetzen?
Es gibt nicht die eine richtige Lösung – was passt, hängt von Abfallart, Lagerung, Hallengröße, Genehmigung und Versicherer ab. In Frage kommen unter anderem:
- Automatische Löschmonitore (Löschwerfer), gekoppelt an Wärmebildkameras
- Sprühwasser- und Sprinkleranlagen
- Schaumlöschanlagen
- Hochdruck-Wassernebel, z. B. an Maschinen
- Funkenlöschanlagen in Förder- und Absauganlagen
- Objektlöschanlagen für Schredder, Pressen und Schaltschränke
Regelwerke und Abstimmung
Orientierung gibt der Leitfaden VdS 2517 der Versicherer (4. Auflage 2025) zur Sortierung, Aufbereitung und Lagerung von Abfällen. Er verlangt, bauliche, anlagentechnische und organisatorische Maßnahmen aufeinander abzustimmen – etwa Brandabschnitte, Lagerhöhen, Branderkennung und Löschtechnik. Weitere Anforderungen ergeben sich aus Genehmigung, Brandschutzkonzept und Versicherungsvertrag.
Häufige Fragen
Ist eine Brandfrüherkennung in Recyclingbetrieben Pflicht?
Das hängt von Genehmigung, Anlagenart und Versicherer ab. Viele Versicherer verlangen sie inzwischen – und sie zahlt sich meist schon beim ersten verhinderten Brand aus.
Was hilft gegen Akkubrände im Abfall?
Vor allem frühe Erkennung (Wärmebild, Funkenerkennung), schnelles automatisches Löschen und organisatorische Maßnahmen wie Annahmekontrollen. Welche Kombination passt, klären wir mit Ihnen.
Fachbetriebe im Verzeichnis
Weiterlesen
- FunkenlöschanlageFunkenlöschanlagen erkennen Funken und Glutpartikel in Förder- und Absauganlagen und löschen sie, bevor sie Filter oder Silos erreichen.
- Absaug- & FilteranlagenAbsaug- und Filteranlagen brennen oft durch Funken aus Schweiß- und Schleifarbeiten.
- Lager & HochregallagerBrandschutz für Lager und Hochregallager:
Quellen
- BBIK – Brandschutz in Recyclingbetrieben: VdS 2517 bietet praxisnahe Orientierung (2025)
- Recyclingportal – VdS 2517 (2025): Brandschutz in Recyclingbetrieben erfordert individuelle Lösungen
- bvfa BrandschutzKompakt Nr. 58 – Brandschutz in Abfall- und Recyclinganlagen
- Securiton – Brandschutz in Abfall- und Recyclingbetrieben
- InfraTec – Müllbunker-Überwachung mit Wärmebildkameras (WASTE-SCAN)
- ESTI-Apparatebau Thielmann, Berlin – Übertemperaturschutz (u. a. SK 10, EX 03, ESTI-Patrone)
- ESTI – Übertemperaturschutz SK 10 1/U (Datenblatt)
Normen und Richtlinien sind kostenpflichtig; verlinkt ist jeweils die Bezugsquelle. Aktuelle Ausgaben und Fristen: Normen und Regeln.
Diese Seite gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Fachplanung. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Normen, Richtlinien und behördlichen Vorgaben. Fachlich geprüft von Thomas Wald, Stand 22.10.2026.